Ferien und Urlaub in Ohs Suedschweden 

Die Ohs-Waldeisenbahn

Die auch Ohs Bruk Järnväg (OBJ) genannte, ehemalige Werkseisenbahn mit der Feldbahn-Spurweite von nur 60cm, wird heute von einem kleinen Museumseisenbahn-Verein erhalten und betrieben.
Die Bahn wurde von 1907 bis 1910 als Transportmittel für die Papierfabrik in Ohs gebaut, um im ca. 15 km entfernten Bor Anschluß an die schwedische Staatsbahn zu bekommen. Das meiste Material für den Bahnbau konnte damals günstig gebraucht von der Helsingborg - Raa - Ramlösa Bahn (HRRJ) erworben werden, welche im Jahre 1906 auf Normalspur umgebaut worden war.
Mit dem Material der HRRJ kam auch die erste Dampflok nach Ohs, eine französische Decauville-Lok Typ 6, Fabr.Nr. 258 von 1898. Obwohl mit Decauville-Schildern versehen, war die Lok tatsächlich von der Fa. Weidknecht gebaut worden. Es handelte sich um einen B-Kuppler mit Nachlaufachse. In Ohs wurde sie „Franska Loket“  (französiche Lok) genannt. Neben dem Abtransport des Fertigproduktes „Papiermasse“ wurden vor allem Kalkstein und Schwefelsäure, aber auch Holz als Rohstoffe für das Werk herangeschafft.

Wegen des ständig steigenden Transportaufkommens wurde 1920 eine weitere, viel stärkere Dampflokomotive aus Deutschland beschafft. Dieses war eine Maschine des sogenannten „Brigadelok-Types“, ein Vierkuppler, der von diversen Lokfabriken in großer Stückzahl für die deutsche Heeresfeldbahn gebaut worden war. Nach dem Krieg gab es in Deutschland keine Verwendung mehr für diese vielen, kräftigen Feldbahn-Lokomotiven, und so wurde ein Großteil ins Ausland verkauft, darunter auch mehrere Lokomotiven nach Schweden.

Die Brigadelok nannte man damals bei der Ohs Bruk Eisenbahn „Tyska Lok“ (deutsche Lok). Sie bewährte sich ausgezeichnet auf der steigungs- und kurvenreichen Strecke. Aus diesem Grund kaufte man später von einer schwedischen Torfbahn eine weitere Lok dieses Types (die Lok war wegen ihres Gewichtes für die Torfbahn völlig ungeeignet), die dann in Ohs Bruk als Reservelok diente.

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Zwei Brigadeloks im Ausgangsbahnhof Ohs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bis 1948 versahen die Brigadeloks den Dienst auf der Bahn, dann wurde eine eine Motor-Lok von der Kosta - Lessebo Eisenbahn (KLJ) erworben. Diese Lok war durch den Umbau aus einer schwedischen Schmalspur-Dampflok entstanden. Damit waren die beiden Dampflokomotiven in Ohs Bruk  überflüssig und wurden daher bis Anfang der 1950er Jahre verschrottet. Allerdings baute man aus dem verkürzten Fahrwerk einer Brigadelok durch Hinzufügen eines VW-Motors eine kleine 2-achsige Maschine (genannt „Sputnik“), die den Verschub im werkseigenen Holzlager versah. 

Die umgebaute Motorlok („OHS“) ist glücklicherweise bis heute erhalten geblieben. Ende 1967 kam das aus für die Werkbahn, die Transporte wurden auf die Straße verlegt. Aber schon 1970 gründete sich der Museumsbahn-Verein mit dem Ziel, den Abbau der Gleise zu verhindern und in den Sommermonaten einen Touristen-Verkehr durchzuführen. Die Strecke ist landschaftlich sehr reizvoll, sie führt mit teils erheblichen Steigungen (bis zu 42%o) durch eine hügelige Landschaft, überwiegend durch Wälder, vorbei an mehreren Seen und Bächen, eine Kulisse wie im Bilderbuch von Pippi Langstrumpf.

Die erste Dampflok des Museumsbahn-Vereines war ein kleiner Vierkuppler, der vorher bei einer Waldbahn auf der Insel Öland im Einsatz war. Gebaut wurde sie 1910 von der kleinen Lokfabrik Zobel mit der Fabr.Nr. 118. Die Lok war zuvor lange Zeit abgestellt gewesen, und mußte komplett aufgearbeitet werden. Sie wurde liebevoll „MORMOR“ genannt, auf deutsch Mutter´s Mutter, oder Oma (aber eben genauer: von Mutter´s Seite). Nach Ablauf eines langfristigen Leihvertrages wurde sie vom Besitzer leider an einen anderen schwedischen Verein verkauft.

Schon 1971 konnte eine weitere Dampflok von der Papierfabrik Emsfors übernommen werden: Ein besonderes Glück, handelte es sich doch um eine Lok vom Brigade-Typ. Die Lok ist heute noch äußerlich weitestgehend im Originalzustand, z.B. mit genieteten Wasserkästen, Elevator usw.. Lok „EMSFORS“ wurde in den letzten Jahren generalüberholt, wobei sie u.a. auch einen Neubaukessel erhielt und auch die Klien-Lindner-Hohlachsen gegen fest gelagerte Achsen getauscht wurden. Die Klien-Lindner-Achsen sind bei den heute recht ordentlich verlegten Gleisen nicht mehr erforderlich, so konnte man sich deren aufwendige Instandhaltung ersparen.

Wegen guter Beziehungen des Vereines zur polnischen Staatsbahn konnte 1975 von dort eine weitere Dampflok erworben werden, ein C-Kuppler mit Außenrahmen und Schlepptender, der 1944 von MBA (vormals Orenstein & Koppel) mit der Nr. 13584 für Zuckerfabriken im damaligen Ostdeutschland gebaut wurde. Bei der polnischen Staatsbahn wurde die Lok auf der ehemaligen Mlawer Schmalspurbahn als PKP Ty-3 195 eingesetzt. Heute heißt sie beim Verein „Polska Loket“. Die Lok hat 1999 einen neuen Kessel bekommen, und ist seit Sommer 2001 wieder im Betrieb.

Durch glückliche Umstände kam 1983 eine weitere Brigade-Lok zum Verein, die früher auf der Waldeisenbahn Muskau der DDR (als 99 3310) im Einsatz war. Mit einem schwedischen Privatmann wurde sie gegen einen O&K B-Kuppler getauscht, der kurz zuvor vom Verein aufgearbeitet worden war. Die Brigadelok wurde ebenfalls von O&K im Jahr 1917 mit der Fabr.Nr. 8338 gebaut. Diese Brigade-Lok war zu DDR-Zeiten erheblich umgebaut worden, sie hat geschweißte Wasserkästen, ebenfalls keine Hohl-Achsen mehr usw. Diese Lok wird heute im Verein wieder „Tyska Lok“ genannt.

Eine weitere kleine O&K -Lok (1929/11970), ein B-Kuppler vom schwedischen Walzwerk „Smedjebacken“, die jahrelang als Denkmallok abgestellt war, wurde von einer Gruppe Jugendlicher in mehreren Jahren wieder aufgebaut und konnte 2004 erstmalig nach fast 40 Jahren Abstellzeit wieder in Betrieb genommen werden.

Lok_Ohsa.jpg
Lok "Ohsa" (ex Dampflok!) ruht sich vor
dem Lokschuppen aus ...


Ein_Holzzug.jpg
 Ein Holzzug auf dem Weg nach Ohs 




Waldbahn_Bw.jpg
Die kleine "Smedjebacken" auf der
Drehscheibe des Waldbahn-Bw  




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Tyska-Lok" beim Zwischenhalt in Gimarp 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von den vorhandenen vier Dampflokomotiven besitzt die Museumsbahn also heute wieder wie zu Werkbahn-Zeiten zwei Brigade-Loks. Diese Lok-Type hat die ideale Zugkraft für die Strecke, und ist beim Personal sehr beliebt, auch wenn es im Führerstand recht eng ist. Alle vorhandenen Dampfloks und die meisten der fast 20 Motorloks sind deutschen Ursprungs. Als stärkste Diesellok konnte eine V10C (Lokomotivbau Karl Marx, Babelsberg, vormals O&K) von einer polnischen Waldbahn übernommen werden.. Die Lok wird meist vor schweren Arbeitszügen eingesetzt. In Ohs sind umfangreiche Bahn-Anlagen vorhanden, Dampflokschuppen mit Drehscheibe, Motorlokhalle, Waggonhalle,  ein kleines Empfangsgebäude, Eisenbahn-Cafe mit Lager, sowie Vereinsheime.
Der Betrieb findet fast ausschließlich während der beiden Sommermonate Juli und August statt. Ende Juni gibt es bereits einige Motorlok-Fahrten, und in der übrigen Zeit des Jahres auch Sonderfahrten. Wenn Ende Nov./Anfang Dez. im Dorf der Weihnachtsmarkt stattfindet, gibt es auch Nikolaus-Fahrten.
Nähere Einzelheiten sowie den aktuellen Fahrplan finden Sie auf der Webseite des Vereines: http://www.ohsabanan.com/ oder durch Rückfragen bei uns.

Ein weiterer Hinweis gilt den in der näheren Umgebung noch vorhandenen Torfbahnen. Wer sich dafür interessiert, es exisitieren noch 3 – 4 solcher Bahnen, die jedoch nicht täglich in Betrieb sind. Gern helfen wir auch hier mit Informationen weiter.
 

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